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 bauprojekt  -e- "bongossi"  
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Didgeridoobauprojekt  aus westafrikanischem Eisenholz (Bongossi)  in der Tonlage -E-

Das Projekt begann im Jahre 2006, als der Didgeridoobauer und Forscher Frank Geipel mir eine Bohle aus Bongossi bei einem Holzhändler in seiner Nähe mitbestellte. Bongossi ist ein rotbraunes, sehr hartes Holz mit einer hohen Dichte.

Schon damals sah ich für dieses Instrument eine besondere Innenform und somit auch ein besonderes Klangspektrum vor. Bei einem Besuch der Didgeridoobauer Stefan Fink und Frank Geipel im Juni 2007 testete ich einen Prototyp in GFK (Kunststoff), den der Hamburger Didgeridooforscher Kay Reimer mit Frank zusammen fertigte. Dieser Prototyp war für mich äusserlich eher unscheinbar, klanglich jedoch sehr interessant. Frank erklärte mir das dies ein Mittelding zwischen einem Mago (eher kurze zylindrische Innenform)  und einem Yidaki (eher längere konische  Innenform) sei.  Das Klangspektrum beinhaltete in drei Frequenzbereichen die Fähigkeit zu –wobbeln- (mehr dazu www.didgeridoo-physik.de). Die Grundtonlage lag in –F-.

 

bild:  der simulierte Frequenzbereich von Frank. so sollte das Instrument mal klingen.

 

Freundlicherweise bot mir Frank an, die Form des Prototypen in den Bongossi Rohling einzubringen.

Da beim letzten Bauprojekt das ich mit Frank zusammen machte auch schon ein Instrument in der Tonlage –F- entstand, dachte ich das Bongossiprojekt in Tonlage –E- zu realisieren. Frank errechnete mir die Form mit demselben Klangspektrum auf die Tonlage –E- um.

Vor Beginn eines jeden Bauprojektes zeichne ich die Innenform in einem CAD Konstruktionsprogramm auf und drucke sie mir 1:1 aus. Aus diesem Ausdruck schneide ich mir exakt die Schablonen aus. Mir fiel auf, daß die Form für dieses Projekt relativ wenig Volumen hatte. Nach Absprache mit Frank entschied ich das Gesamtvolumen um 15% zu erhöhen.

Aufgesägt wurde der Rohling auf einer professionellen Kreissäge. Anschließend lies ich die späteren Klebeflächen noch plan abhobeln.

Dann kam das Aufreißen der Innenform auf die zwei Halbschalen, hierzu lies ich mir viel Zeit, schließlich sollten beide Halbschalen später exakt zusammenpassen. Nun ging es an die –harte Arbeit-, das Ausarbeiten der Innenform aus den Halbschalen. Mit dem Oberfräser arbeitete ich mich vom Mundstück bis zum Bell durch, dabei hielt ich mich exakt an die Durchmesserschablonen die ich zuvor ausgeschnitten hatte.

                                                                                                     

Für eine erste Soundanalyse verschloss ich die Halbschalen. Frank riet mir statt Kleb fettfreien Knet zu nehmen, um die Halbschalen zu verschließen. Dadurch konnte zum einen keine Luft zwischen den späteren Klebeflächen entweichen und bei nicht passendem Klangspektrum das Instrument nochmals geöffnet und nachgearbeitet werden.

                        

bild: mit Knet verschlossenes Instrument.

 

Beim ersten anspielen war ich mir nicht sicher ob das Instrument nun gut gelungen war. Lag sicherlich auch daran das noch keinerlei Außenbearbeitung vorgenommen wurde und es sehr schwierig war das Instrument anzuspielen (Nase störte!). Frank analysierte den ersten Soundfile und teilte mir telefonisch mit, daß das Spektrum mit dem dreifachen Wobbelmuster schon zu erkennen war, die gesamte Tonlage allerdings noch 2 Hz tiefer lag. Der tiefere Grundton kam von dem insgesamt zu langen Instrument. Ich ließ bewusst noch 2 cm pro Seite drauf.

Frank riet mir die Halbschalen zu verkleben es außen auf seine Form zu bringen und dann nochmals einen Soundfile zu schicken. 

Nun säuberte ich die Klebeflächen und feilte sie eben, so das beide Halbschalen passgenau aufeinander lagen. Bei diesem Instrument nahm ich 2-Komponenten Kleber der innerhalb von 12 Stunden durchtrocknet. Das gute Stück hatte zu diesem Zeitpunkt 15,7 kg. Nach dem Abhobeln der Außenform wog es nur noch 5,9 kg.

Nun konnte ich es zum ersten mal richtig spielen. Das sehr harte Bongossi verschluckt keinerlei Frequenzen und bringt extrem scharfe Obertöne. Da ich bei meinen über 20 Eigenbau-Didgeridoos überwiegend einheimische Hölzer verwendete, merkte ich schon hier den deutlichen Unterschied. Mein Spielstil muss sich stark sensibilisieren um dieses Instrument richtig auszuspielen (wenn das überhaupt geht!). 

Der zweite Soundfile den ich Frank zum analysieren schickte, zeigte immernoch das gewollte Muster. Ich entschied das Instrument in seiner etwas tieferen Grundtonlage zu belassen.

 

bild:  die obere grafik zeigt die FFT-soundanalyse in wasserfalldarstellung des fertigen instrumentes.

        die untere grafik zeigt das theoretisch errechnete klangspektrum.

        dabei zeigen die schwarzen peaks die Lage der Eigenresonanzen, resultierend aus der innenform.

mehr zur Didgeridoophysik unter     www.didgeridoo-physik.de

Soundbeispiele ganz unten

Nun ging es zur Feinarbeit. Von außen gestaltete ich die Wandstärke nach meinen persönlichen Vorlieben. Ich bin ein großer Freund von schweren Didgeridoos, so ist auch bei diesem Bauprojekt eine Wandstärke von 2cm nicht ungewöhnlich. Die Abgrenzung zwischen Kern- und Splintholz brachte ein interessantes Design zum Vorschein.  Die Außenflächen versiegelte ich mit Hartöl. Im Moment ist die Innenseite noch nicht geölt.

Als Mundstück nahm ich eine Kokosnussschale die ich auf das Instrument klebte und danach polierte.

                      

   Mundstueck aus Kokosnusschale

 

Fazit für dieses Instrument:

Mit diesem Bauprojekt entstand wieder einmal ein Instrument das seinesgleichen sucht. Es ist wie ursprünglich von Frank Geipel beschrieben, ein Zwischending von einem Mago- und einem Yidaki Instrument. Treibt man es rhytmisch wie ein Yidaki fällt auf, das der erste Overblow nicht dort liegt wo man ihn bei solchen Instrumenttypen gewohnt ist. Zieht man es kratzig wie ein Mago, spürt man nicht die deutliche Trennung der Bassstimme zum oberen Frequenzbereich.

Absolut faszinierend ist jedoch das komplexe Obertonspektrum, das wenn man es richtig anreizt in den verstecktesten Frequenzen anfängt zu klingeln. Diese Eigenschaft war von den beiden Didgeridoo Forschern Geipel / Reimer so gewollt und kann von meiner Seite bestätigt werden. Ich denke wenn die beiden so weiter experimentieren und solch anspruchsvolle Instrumente entstehen lassen, sollten sich die Termiten im Arnhemland (Nordaustralien) schonmal auf einen Auslandsworkshop in Didgeridoo Germany vorbereiten!

Herzlichen Dank !!!

 

 

 

 

  Soundbeispiel 1

diese aufnahme entstand beim ersten out door didgen ...

Soundbeispiel 2

3 kleine auschnitte aus studioaufnahmen

 

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